Nicht stigmatisieren, sondern sensibilisieren.
Nicht wegsehen, sondern hinschauen und handeln.
Rund 50 Fachkräfte aus Lippe kamen zum Fachtag zum Thema weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C) – aus Schule und Bildung, Beratung, Justiz und Polizei sowie Integrationsarbeit und Case Management.
Gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Lippe hat die Gleichstellungsstelle des Kreises Lippe zu einem fachlichen Austausch eingeladen, der vor allem eines schaffen sollte: Wissen, Sensibilität und Handlungssicherheit im Umgang mit einem Thema, das noch immer viel zu häufig tabuisiert wird.
Corinna Brase, ehemalige Oberärztin am Klinikum Lippe, gab in ihrem Fachvortrag umfassende Einblicke in die verschiedenen Formen und möglichen Folgen von FGM/C. Dabei ging es auch darum, mit religiösen Zuschreibungen und Schubladendenken aufzuräumen. Es war wichtig, FGM/C in ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen zu betrachten – unter anderem mit Blick auf tradierte Rollenbilder und patriarchale Strukturen. Im Mittelpunkt stand die klare Einordnung von FGM/C als Menschenrechtsverletzung.
In praxisnahen Workshops stellte YUNA Westfalen-Lippe ihre Arbeit vor. Gemeinsam wurden konkrete Situationen aus dem beruflichen Alltag betrachtet, Unterstützungsangebote kennengelernt und Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte erarbeitet.
Ein wichtiger Aspekt dabei: Prävention und Aufklärung müssen alle einbeziehen – auch Männer und Väter.
Denn bei einem so sensiblen Thema braucht es mehr als Wissen allein. Es braucht die Fähigkeit, hinzusehen, Fragen zu stellen, sensibel ins Gespräch zu kommen und Betroffenen verlässlich Unterstützung anzubieten.